Das menschliche Immunsystem (1)

Das Immunsystem des Menschen lässt sich, nach derzeitigem Kenntnisstand, in 6 Bereiche gliedern:

– Physikalische Barriere
– Inertes (angeborenes) Immunsystem
– Adaptives Immunsystem
– Interferon-Regulation
– Hormonelle Signalsteuerung
– Mikronährstoff-Kommunikation

Die pyhsikalische Barriere bezeichnet die mechanischen und biochemischen Hindernisse, welche der Körper Fremdorganismen in den Weg stellt, um deren Eindringen zu verhindern. Diese erste Verteidigungslinie ist vorrangig natürlich die Haut, aber auch Haare, Schleim (der Schleimhäute), Enzyme (bspw. Lysozym im Speichel), Säuren (z.B. Magensäure), Talg, Schweiß und interessanterweise auch andere (nützliche, also für den Menschen gesunde) Bakterien in der sog. Normalflora von Haut und Darm. Zu dieser Barriere gehört außerdem das „Ausspülen“, also das Ausbluten einer Wunde, Urinieren, Erbrechen, Durchfall, Niesen, Husten; auch dies sind Mechanismen, mit welchen der Körper große Mengen eingedrungener Fremdorganismen auswaschen und damit mechanisch blockieren kann.

Das inerte Immunsystem ist angeboren, auch Neugeborene verfügen bereits darüber, und besteht aus Zellen in Blutkreislauf und Lymphe: Granulozyten gehören zu den Leukozyten und bekämpfen fremde Zellen; Lysozym ist ein zersetzendes Enzym (es wird nicht nur „innen“, sondern auch „außen“, in der mechanischen Barriere, eingesetzt); NK-Zellen regen den programmierten Zelltod (Apoptose) an; Makrophagen „fressen“ mögliche Krankheitserreger mittels Phagozytose; T. Lymphozyten haben eine rudimentäre Gedächtnisfunktion für zukünftig schnellere Reaktionen. Wird eine Störung der körperlichen Abläufe erkannt (wie dies geschieht, dazu gleich mehr), werden diese Zellen alarmiert und am Ort des Geschehens aktiv. Hierbei unterscheidet diese „Schlägertruppe“ nicht wirklich zwischen Freund und Feind, deshalb werden effiziente Mechanismen benötigt (auch hierzu gleich mehr), um die Reaktion sinnvoll zu gestalten und einzuhegen.

Das adaptive Immunsystem entsteht erst im Laufe der Zeit und benötigt ca. die ersten 8 Lebensjahre Kontakt mit Erregern, um einigermaßen Wirkung zu entfalten. Es ist die lernfähige Komponente und ermöglicht, die „Waffen“ des inerten Immunsystems gegen einmal erfolgreich bekämpfte Krankheitserreger jederzeit auf Abruf bereit zu stellen, damit diese Erreger sofort unschädlich gemacht werden können, bevor sie noch einmal Schaden anrichten. Der menschliche Körper ist ein wandelndes Biotop, bestehend aus 32 Billionen menschlichen Zellen, 37 Billionen Bakterienzellen und 240 Billionen Viren. Es ist deshalb klar, dass der Körper nicht auf jedes beliebige Fremdeiweiß dauernd losgehen kann, schon allein deshalb, weil er sehr, sehr viele der Fremdzellen (Bakterien, Viren) selbst dringend benötigt und ohne diese gar nicht funktionieren würde. Hier greift deshalb die Freund-Feind-Erkennung des adaptiven Systems. Einmal als schädlich erkannte Fremdorganismen können damit sofort bekämpft werden, ohne erst auf adverse Reaktionen (auf welche das inerte Immunsystem reagiert) warten zu müssen. Die wesentliche Komponente des adaptiven Immunsystems sind die Antikörper. Diese passen präzise zu einem als schädlich erkannten Fremdorganismus, heften sich an diesen an, und alarmieren (via Botenstoffe, s.u.) dadurch die „Armeen“ des inerten Immunsystems, und signalisieren wo exakt sie gezielt zuschlagen müssen (sehr wichtig auch deshalb, weil damit übertriebene Reaktionen gegen nützliche Zellen vermieden werden können).

Die Interferon-Regulation steuert das Zellwachstum, hindert oder fördert es. Sie spielt deshalb eine äußerst wichtige Rolle im Immunsystem. Befallene Zellen werden gehindert, sich zu vermehren. Das Wachstum anderer, für die Bekämpfung erforderlicher, Zellen wird angeregt. Letzteres kann man sich vorstellen, wie bei einem Land in Friedenszeiten. Natürlich wird dieses Land keine Armee in voller Kriegskampfstärke vorhalten, das wäre viel zu aufwändig. Die Interferone sind also quasi der Herold, der die Soldaten zu den Waffen ruft, und wenn diese Funktion gestört ist, nützen alle beschriebenen Mechanismen nicht viel, weil die Bestandteile des Immunsystems (im gesunden Normalzustand) zu schwach / wenige gegen die i.Allg. aggressiv sich vermehrenden schädlichen Fremdorganismen wären. Die Interferone (zusammen mit den Zytokinen, siehe nächster Abschnitt) haben aber auch die äußerst wichtige Rolle, zu verhindern, dass das Immunsystem sich zu sehr gegen den eigenen Körper richtet, d.h. sie dämpfen ggfs. auch das Immunsystem, damit es nicht die körpereigenen Zellen angreift. (Man kann Auto-Immunkrankheiten deshalb als eine Störung im Interferon- / Zytokin-Haushalt auffassen).

Die hormonelle Signalsteuerung ist das, welches die Immunkräfte überhaupt erst auf den Plan ruft. Irgendwie muss ja zunächst erst einmal bemerkt werden, dass etwas schief läuft, und diese Rolle übernehmen Hormone. Es handelt sich dabei i.W. um Cortisol, Adrenalin, Insulin, Dehydroepiandrosteron (DHEA), Zytokine. In die Details dazu will ich hier nicht gehen, aber um es grob darzustellen: Fremde Zellen, welche für den Körper schädlich sind, und deshalb gemeinhin als Krankheitserreger bezeichnet werden, weisen zwei wesentliche Merkmale auf: a) ihre Stoffwechsel- / Vermehrungsprozesse produzieren für den Körper schädliche (d.h. die biochemischen Abläufe störende) Gifte und b) sie vermehren sich unkontrolliert (verdrängen mithin nützliche / wichtige Bestandteile). Beides erzeugt Stress, und die oben genannten Hormone sind alle bei der Stressregulation des Körpers beteiligt. Wo also sie im Körper Stress anzeigen, wird das Immunsystem aktiv. (Stress wird ja heutzutage gemeinhin nur als psychisches Phänomen verstanden und diskutiert, aber hierbei geht es um lokalen und körperlichen Stress: dass es irgendwo juckt, beißt, brennt, oder schmerzt, ist alles ebenfalls Stress bzw. Belastung, Energieverbrauch, Störung oder Zerstörung von körpereigenen Strukturen).

Die Mikronährstoff-Kommunikation ist ein weites Feld. Viele der Vitamine und Spurenelemente in unserer Nahrung werden in der Kommunikation der Immunsystem-Komponenten untereinander eingesetzt und sind deshalb dringend benötigt, weil sich die einzelnen Teile sonst nicht miteinander koordinieren könnten. Die wichtigsten dieser Nährstoffe sind Zink, Magnesium,  Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E. Fehlen diese Botenstoffe, dann ist das so, als ob einer Armee auf dem Schlachtfeld die Funkgeräte ausfallen, und vor allem für die Hormone (voriger Abschnitt) sind die Mikronährstoffe essenziell, da sie ohne diese entweder nicht funktionieren oder gar nicht erst hergestellt werden können.

… wird fortgesetzt …