{"id":707,"date":"2023-04-10T08:05:55","date_gmt":"2023-04-10T06:05:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mikambo.de\/?p=707"},"modified":"2023-04-10T08:05:55","modified_gmt":"2023-04-10T06:05:55","slug":"die-burg-im-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikambo.de\/index.php\/2023\/04\/10\/die-burg-im-himmel\/","title":{"rendered":"Die Burg im Himmel"},"content":{"rendered":"\n<p>Der kleine Troll sa\u00df in der Ecke und weinte. Der Elf hatte ihn zuerst gar nicht gesehen, nur das leise Schluchzen geh\u00f6rt. \u201cWas hast du\u201d, fragte der Elf. \u201cWarum weinst du?\u201d Der kleine Troll sah zu dem edlen Ritter in seiner schimmernden R\u00fcstung auf. \u201cAlle lachen mich aus\u201d, schniefte der kleine Troll. \u201cSie sagen, meine Nase ist falsch.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Der Elf setzte sich neben den Kleinen. \u201cAber du bist mit dieser Nase geboren, was sollte daran falsch sein? Wir m\u00fcssen lernen, mit dem umzugehen, was uns gegeben ist, statt uns dar\u00fcber zu beklagen. Und was die anderen Trolle betrifft, ach, lass sie doch lachen. Was erwarten sie, was du tun sollst? Dir deine Nase abschneiden? Am Ende f\u00e4llt ihr Gel\u00e4chter doch nur auf sie selbst zur\u00fcck und zeigt, dass sie nichts verstanden haben von unserem K\u00f6nig.\u201d<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Tr\u00e4nen des kleinen Trolls waren getrocknet, gebannt hatte er den Worten des Elfs zugeh\u00f6rt. \u201cJa\u201d, sagte er, \u201caber gerade das begreife ich nicht. Warum verspotten sie mich? Sind wir nicht alle nur Diener unseres K\u00f6nigs?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cNein\u201d, sagte der Elf ernst. \u201cManche folgen unserem K\u00f6nig, manche dem Anderen. Und auch wenn ich damit nicht sagen will, dass deine Kameraden diesem Gr\u00fcnen folgen w\u00fcrden \u2013 jeder muss, und immer neu, entscheiden, ob er dem K\u00f6nig dient, oder den giftgr\u00fcnen Schwaden aus der H\u00f6lle verf\u00e4llt. Es ist ein ewiger Schwur, verstehst du? Und es ist der Glaube unseres Ordens, Elfe, Trolle, alle hier, die wir dienen in der Burg, dass der Nebel nicht die Welt verschlingt: Wir halten Stand.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Troll sah den Elf dankbar an. \u201cVielen Dank f\u00fcr deine Worte, du hast mich sehr getr\u00f6stet. Ich tue meinen Dienst auch sehr gerne. Obwohl, es ist nicht viel zu tun, und schon seit langem schon. Ich glaube, ich werde mal meine Freunde fragen, ob sie mit mir Fu\u00dfball spielen, mir doch egal ob ihnen meine Nase gef\u00e4llt oder nicht.\u201d Der Elf seufzte. \u201cJa, es ist wenig zu tun, seit vielen Jahren, aber gerade das \u00e4ngstigt mich. Wir alle werden gem\u00fctlich und bequem, doch werden wir uns noch wehren k\u00f6nnen, wenn eines Tages der Nebel wieder \u00fcber die Mauern kommt?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Troll grinste. Ach, die Elfen immer mit ihren gruseligen Schauerm\u00e4rchen, dachte er. Aber laut antwortete er: \u201cIch und meine Kameraden, wir halten jeden Tag Wache, ich kann dich beruhigen, da ist kein kleinstes bisschen gr\u00fcner Staub zu sehen weit und breit. Du musst dir keine Sorgen machen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cUnd sag mal, eines verstehe ich sowieso nicht, warum will der Gr\u00fcne eigentlich die Welt verschlingen? Was hat er davon?\u201d Der kleine Troll dachte, wenn er mir das nicht sagen kann, dann hab ich vielleicht Urlaub f\u00fcr immer. Gespannt sah er den Elf an. Der griff in seine Tasche und zog eine Pfeife hervor. W\u00e4hrend er sie bed\u00e4chtig stopfte, erkl\u00e4rte er dem kleinen Troll: \u201cNun, der Gr\u00fcne will gewinnen, der K\u00f6nig soll fort sein und \u00fcberall und f\u00fcr immer. Und um zu verstehen, warum er das tun will, musst du zuerst wissen, dass der Gr\u00fcne gar nicht gr\u00fcn ist. Beziehungsweise, er hat keine Farbe und kann deshalb jede Farbe annehmen. Auf unserer Welt kommen aus der H\u00f6lle gr\u00fcne Schwaden, so nennen wir ihn also den Gr\u00fcnen, aber woanders m\u00f6gen in der H\u00f6lle rote Feuer lodern, wer wei\u00df. In Wahrheit jedoch hat der Gr\u00fcne keine Farbe, denn er ist das Nichts. Er sagt, er wolle dass der K\u00f6nig nirgendwo mehr ist, und dann w\u00e4re freilich nichts mehr, denn der K\u00f6nig ist Alles, und w\u00e4re Er nicht mehr da, so w\u00e4re nur mehr Nichts, es ist einfach zu verstehen. Aber wo Nichts w\u00e4re, da w\u00e4re sogar kein Nichts mehr, denn ein Nichts kann nur sein, wo ein Alles nicht ist, mit anderen Worten, ohne ein Alles auch kein Nichts, und also w\u00e4re dort auch erst recht kein Gr\u00fcner mehr. So fressen sich der Gr\u00fcne und die, die ihm folgen, eigentlich nur selbst und merken es nicht.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Troll war beeindruckt. So hatte er das noch nie betrachtet, aber so ergab alles Sinn. Der lebendige Gott, so nennen sie den K\u00f6nig in den alten Schriften, dachte er, und endlich habe ich verstanden, warum \u2013 das Leben im ewigen Ringen mit dem Nichts. \u201cDanke\u201d, sagte er zu dem Elf. \u201cEs ist wirklich spannend, was du alles wei\u00dft. Aber sag, wenn es doch so einfach zu sehen ist, warum folgen trotzdem welche dem abscheulichen Gr\u00fcnen?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Der Elf z\u00fcndete sorgf\u00e4ltig seine Pfeife an. Ein aromatischer Duft erf\u00fcllte die Luft. \u201cNun, daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde. Um sie zu verstehen, musst du zuerst wissen, was das ist \u2013 Leben. Leben, das ist ein Herz mit Mut und Liebe. Alles, das lebt hat ein solches Herz, oder es w\u00fcrde nicht leben. Und alles, das ein solches Herz hat, lebt, egal welche Form es h\u00e4tte. Und du musst au\u00dferdem wissen, wo ein Herz und Mut und Liebe solcherart zusammenfinden, da entsteht ein Viertes, welches die Freiheit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cUnd das bedeutet, das Leben ist immer frei zu w\u00e4hlen, wohin es geht. Doch leider \u2013 oder gottseidank, wer wei\u00df das schon \u2013 ist es so, der Weg des K\u00f6nigs ist zwar der sch\u00f6nere Weg, aber auch der viel anstrengendere. Und so ist dies ein Grund, warum einer dem Gr\u00fcnen folgen k\u00f6nnte, die Faulheit. Viel trauriger jedoch ist es, wenn der Gr\u00fcne einem Hass ins Herz s\u00e4t auf sich selbst, so wie zum Beispiel dir f\u00fcr deine Nase. Oh, mein kleiner Freund, bedenke es wohl, wor\u00fcber du dich beklagst, es k\u00f6nnte das Tor zur H\u00f6lle sein\u2026 Denn wenn ein Herz seinen Mut und seine Liebe in den Dienst der eigenen Vernichtung stellt, weil es sich selbst verachtet, dann werden dies die schlimmsten Soldaten des Gr\u00fcnen, denn sie haben das Nichts doch sogar zu ihrem Ideal erhoben. Oder, es mag auch welche geben, denen haben solche Soldaten so \u00fcbel mitgespielt, sie gequ\u00e4lt und verspottet, vielleicht wegen ihrer Nase, und sie haben den Glauben verloren, dass es den K\u00f6nig \u00fcberhaupt gibt, und man deshalb doch ohnehin nur dem Gr\u00fcnen folgen k\u00f6nne.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cWie seltsam\u201d, sagte der kleine Troll. \u201cIch liege nachts oft wach und sehe hinauf zu den Sternen. Und wenn ich die Novae, Nebulae und Galaxien betrachte, dann sehe ich den K\u00f6nig doch. Wie kann man glauben, dass Er nicht existiert? Man m\u00fcsste doch glauben, dass man selbst nicht existiert, denn wir alle sind doch aus dem Staub dieser Sterne gemacht. Und das mit meiner Nase lasse ich mir eine Warnung sein, dankesch\u00f6n. In die Falle tappe ich nicht nochmal. Also, ich w\u00fcrde sagen, die einzige Gefahr, die mir droht, ist Faulheit, und jetzt verstehe ich auch, was du vorhin meintest, als du sagtest, es ist ein ewiger Schwur. Wei\u00dft du was, ich geh jetzt doch nicht Fu\u00dfballspielen, sondern mache eine Sonderschicht auf Wache. Wenn nichts los ist, kann ich mir ja die Sterne ansehen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Der Elf sah dem kleinen Troll sinnend nach. Wenn du w\u00fcsstest, dachte er. L\u00e4ngst lauerte die gr\u00fcne Wolke unter dem Horizont. Noch konnten sie nur wenige sehen, doch der Elf war einer von ihnen. Der Elf erschauerte. Der, vor Dem alles nur Staub ist, wird herausgefordert von einem, der will, dass alles Staub ist. Wehe uns, wenn der K\u00f6nig gibt, was der Staub will. Wehe uns allen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kleine Troll sa\u00df in der Ecke und weinte. 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