{"id":647,"date":"2022-10-16T05:07:09","date_gmt":"2022-10-16T03:07:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mikambo.de\/?p=647"},"modified":"2022-10-16T05:07:10","modified_gmt":"2022-10-16T03:07:10","slug":"vom-boesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikambo.de\/index.php\/2022\/10\/16\/vom-boesen\/","title":{"rendered":"Vom B\u00f6sen"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201cGott schuf den Menschen in Seinem Bilde\u201d hei\u00dft keinesfalls, dass Gott das Ebenbild des Menschen w\u00e4re. Vielmehr hat Er ein Bild von uns, und nach diesem schuf Er uns. Denn auch Eichh\u00f6rnchen, Vulkane, Sterne, Nebulae, und alles andere sind Bilder Seines Geistes. Genau wie wir Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind also Sein Bild, doch Er ist das Bild von Allem. \u2013 Man beachte wohl, nicht dieses Alles, sondern dessen Bild. Was oder wie w\u00e4re ein solches Bild? Bevor ich mich dieser Frage zuwende, ist es, wie ich meine, aber erforderlich zu \u00fcberlegen, was das denn ist: Erschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines der gr\u00f6\u00dften Missverst\u00e4ndnisse \u00fcber Gott ist, Ihn als Sch\u00f6pfer zu bezeichnen. Man kann es zwar so ansehen, ja, doch dies birgt im Kern eine falsche Grundannahme, die derart zentral ist, dass sie den Zugang zu Gott zu versperren vermag.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cEs werde Licht\u201d, so beginnt der Sch\u00f6pfungsmythos der Bibel. Und genau da haben Sie es. Gott erschuf nicht das Licht, sondern das Licht wurde. Sehen Sie, eine Sch\u00f6pfung bedingt einen Anfang \u2013 und damit auch ein Ende. Doch das Sein, in dem wir sind, ist ewiges Werden. Und es ist das Wesen Gottes, welches dieses Werden hervorbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was also ist Gott? Er ist ein Gesetz, das solcherart beschaffen ist, dass Es ewiges Werden bedingt. Mithin, das Gesetz Der Natur \u2013 oder, mit anderen Worten, die vollst\u00e4ndige Summe aller Naturgesetze. Derer, die wir schon kennen, und noch aller anderen, sogar jener, von denen wir noch nicht einmal glauben k\u00f6nnen, dass es sie geben k\u00f6nnte. Oder solcher, die wir zwar kennen, aber von denen wir nicht verstehen, dass sie ein Naturgesetz sind. Der Liebe, zum Beispiel, oder der Vergebung und Hoffnung. Somit, Gott ist nicht die Natur, sondern Das, Was sie ewig erbl\u00fchen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kl\u00e4rt vieles, Gott solcherart anzusehen. Was ist gut, was ist b\u00f6se? Wird das Reh nicht den Tiger b\u00f6se finden, der es frisst? Wird jedoch nicht auch der Tiger seinem Tigergott danken und Ihm wohlgefallen, dass er ges\u00e4ttigt wurde?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aber, Sie ahnen es, das ist eine v\u00f6llig verkehrte Fragestellung. Das Reh folgt fliehend dem Gesetz seiner Natur, und der Tiger jagend dem seinen. Tats\u00e4chlich w\u00fcrde dasjenige Reh dem Gesetz Der Natur zuwiderhandeln, welches sich widerstandslos verspeisen lie\u00dfe \u2013 und derjenige Tiger, der verhungern w\u00fcrde, um das nicht zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind weder Tiger noch Rehe \u00fcberhaupt in der Lage, Das Gesetz so weitgehend zu interpretieren, aber wir Menschen sind es. Denken Sie an M\u00e4rtyrer, Widerstandsk\u00e4mpfer, Soldaten, die sich mit einer Granate um den Bauch unter einen Panzer rollen. Aber auch an Menschen, die ihren eigenen Kindern erstickende Masken vors Gesicht schnallen, giftige St\u00e4bchen ins Hirn rammen und sie schafsdoof zwingen, an einem lebensgef\u00e4hrlichen Gentech-Experiment teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ich schweife ab. Jedenfalls, es gibt offensichtlich eine fundamentale Unterscheidung zwischen zwei \u201cWelten\u201d im Universum, und sie besteht darin, ob \u201cetwas\u201d Freiheit besitzt oder nicht. Dieses \u201cEtwas\u201d, das keine Freiheit besitzt, nennen wir Materie. Und das andere \u201cEtwas\u201d, das \u2013 in welchem Umfang auch immer \u2013 \u00fcber freie Entscheidung verf\u00fcgt, das nennen wir Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ja nicht wahr, dass nur wir Menschen Freiheit des Willens bes\u00e4\u00dfen. Jeder Haustierbesitzer wei\u00df, seine Katze kommt auf alle m\u00f6glichen Ideen. Und die Katze eines anderen auf ganz andere. Nat\u00fcrlich hat zwar eine Katze viel weniger Freiheiten als ein Mensch, aber sie hat welche. Sogar ein Wurm hat Freiheitsgrade, ob er linksrum oder rechtsrum kriecht, es sind zwar sehr wenige, doch es gibt sie. Denn es ist das Kennzeichen jeden Lebens, das es Freiheit besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>So hat also selbst ein Schmetterling den Steinen, aber auch den Wolken, Sonnen und Galaxien etwas sehr Wesentliches voraus. Er trifft eigene Entscheidungen \u2013 und je h\u00f6her das in Rede stehende jeweilige Leben ist, desto weitreichender und m\u00e4chtiger wird die Kraft dieser Entscheidungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun mag das alles ein wenig selbstverst\u00e4ndlich klingen, doch es weist auf etwas sehr Wichtiges hin: Freiheit ist eines der Naturgesetze, und zwar eines, das wir zwar schon erahnen, aber noch nicht einmal im Ansatz verstanden haben. Ohne Freiheit kein Leben, da es aber Leben gibt, ist \u2013 notwendig \u2013 Freiheit ein Teil des Gesetzes Der Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cWarum l\u00e4sst Gott das zu\u201d, immer wieder ist es die Klage, wenn Furchtbares geschieht, ganz besonders, wenn Menschen anderen Menschen Schlimmes antun. Tja. Weil es sonst nur Steine g\u00e4be.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich schweife schon wieder ab. \u2014 Glauben Sie, dass Menschen unbegrenzte Freiheit besitzen? Aber Sie m\u00fcssen doch morgens aufs Klo, nicht? Wir Menschen haben nat\u00fcrlich die gr\u00f6\u00dften Freiheitsgrade des von diesem Planeten hervorgebrachten Lebens, aber da g\u00e4be es noch viel Luft nach oben, ich denke, da sind Sie mit mir einig. Und genau hier ist der entscheidende Unterschied zwischen uns und den Tieren, und er liegt beileibe nicht nur in unserem Hirn. Elefanten sind mindestens so schlau wie wir, und Delphine auch. Aber den einen fehlen die Daumen, und den anderen sogar die H\u00e4nde. Es muss vieles zusammenkommen, dass eine Spezies in die Lage versetzt ist, ihre naturgegebene Freiheit erweitern zu k\u00f6nnen. Aber sobald eine solche Spezies entsteht, wird genau das \u2013 die Erweiterung ihrer Freiheit \u2013 im Mittelpunkt ihres Strebens sein. Und so kann man die Geschichte des Menschen lesen als eine fortw\u00e4hrende Erweiterung seiner Freiheit \u2013 von den H\u00f6hlen in die Wolkenkratzer, vom Laufen zum Fahren und Fliegen, und vom Grunzen zu gregorianischen Chor\u00e4len und der Dichtung von Homer oder Shakespeare.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist die h\u00f6chste Freiheit? Die Freiheit, alles zu tun. Wirklich alles. Mithin, Alles hervorzubringen. Man k\u00f6nnte also sagen, Freiheit, das ist ein anderer Name f\u00fcr Gott. Und es ist ziemlich traurig, dass es kein Gottesbild in all den vielen, vielen Religionen dieser Erde gibt, das Ihn als Verk\u00f6rperung der Freiheit darstellt. Im Gegenteil, Freiheit wird vielmehr als etwas B\u00f6ses behauptet, denken Sie an Prometheus und seine schreckliche Strafe daf\u00fcr, den Menschen das Feuer zu bringen \u2026 Denn fast alle Religionen haben mit der Erkenntnis Gottes nur wenig zu tun, sondern sind eigentlich Versuche, die Freiheit der Menschen zu beschr\u00e4nken. Wer ihnen anh\u00e4ngt, muss irgendwelchen Regeln folgen, sonst wird er bestraft. Man tut also gut daran, Gott nicht in diesen Religionen finden zu wollen, sondern sie als das anzusehen, was sie in Wahrheit sind: Machtinstrumente, und bestenfalls der Versuch einer Ordnung f\u00fcr ein gedeihliches Miteinander. Ich meine deshalb, wenn Sie Gott erkennen, bedeutet, frei sein m\u00f6chten, dann sind Sie mit Wissenschaft und Philosophie, sogar mit Literatur auf einem besseren Weg, als mit irgendeiner der Religionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in vielem nur Instrumente sind, Sie zu versklaven \u2013 Ihnen also die Freiheit zu nehmen, und damit das genaue Gegenteil von Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Bitte verzeihen Sie den m\u00e4andernden Umweg dieses Essays zu seinem eigentlichen Thema. Ich glaube aber, er war notwendig, denn wir haben uns nun der entscheidenden Frage zugewendet. Wenn Freiheit ein Naturgesetz ist, ein Bestandteil Gottes, des \u201cGesetzes Der Natur\u201d \u2013 kann etwas, das die Freiheit zu zerst\u00f6ren sucht, richtig sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Sehen Sie, viele Menschen sehen in Gott \u201cdas absolut Gute\u201d. Und das erscheint zun\u00e4chst unm\u00f6glich, denn wo k\u00e4me dann das B\u00f6se her? Da Gott dasjenige Gesetz ist, das alles hervorbringt. Aber, es ist die Freiheit, die das B\u00f6se erst entstehen l\u00e4sst. N\u00e4mlich als Freiheit, das Gesetz Der Natur zu missachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott aber IST das Gesetz Der Natur, er KANN sich selbst nicht missachten. Und deshalb ist Er das absolut Gute, und sonst nichts. Ich gebe zu, es erscheint im ersten Moment wie ein Taschenspielertrick, aber Sie m\u00fcssen sehen, dass Freiheit doch nicht das einzige Naturgesetz ist. Sicher, sie ist sehr wichtig, denn sie bringt das Leben hervor, aber da gibt es doch noch viel, viel mehr. Ob es Freiheit, Zufall, Gravitation, Ursache-Wirkung, Quantenverschr\u00e4nkung, sonstwas ist, Gott ist die Summe ALLER Gesetze. Um es in unsere menschliche Sph\u00e4re zu \u00fcbersetzen: Wir haben eben nicht die Freiheit, so lange auszuschlafen, wie wir wollen, wenn unsere Kinder ihr Fr\u00fchst\u00fcck brauchen und in die Schule sollen \u2013 Arterhaltung ist nun einmal auch eines der Gesetze der Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich komme noch einmal zur\u00fcck auf das Reh und den Tiger. B\u00f6se ist nicht das, was irgendwem nicht passt. B\u00f6se ist jenes, das den Gesetzen der Natur nicht folgt. Und gut also dieses, welches im Einklang mit ihnen steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da es widersinnig w\u00e4re zu behaupten, es per definitionem sogar ausgeschlossen ist, dass Gott nicht mit Sich Selbst im Einklang sein k\u00f6nnte, ist Gott also das absolut Gute.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht finden Sie das einen abgehobenen Gedankengang, und fragen sich, wo denn dabei der Erkenntniswert liegt. Oh, aber diese Sache reicht weit. Sehr weit. Was sich daraus ergibt, ist n\u00e4mlich, dass der Teufel, das B\u00f6se, gar nicht existiert. Was wir als Teufel benennen, das ist vielmehr die Abwesenheit von Gott, oder, mit anderen Worten, die Verletzung Seiner Gesetze. Und dass uns, als Menschen, solcherart Verletzung \u00fcberhaupt (in gewissem Grade) m\u00f6glich ist, ist wiederum nur eine Funktion der Freiheit \u2013 diese M\u00f6glichkeit entsteht also nur aus der blo\u00dfen Tatsache, dass wir leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und somit sind \u201cdas B\u00f6se\u201d, der Teufel, Luzifer, aber auch alle D\u00e4monen und Rakshasas, nichts Existierendes, sondern \u2013 unsere Angst davor, was wir sein k\u00f6nnten. Und weil wir uns dem nicht stellen wollen, personalisieren und externalisieren wir es.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns ist gegeben, das nur sehr selten im ganzen weiten Universum gegeben ist. N\u00e4mlich das Potential, unsere Freiheit, die in allem Leben ist, sogar zu erweitern. Vielleicht bis in die n\u00e4chste Galaxie, wer wei\u00df? Und wie Kinder, die erstmals ein Feuer entz\u00fcnden, haben wir gro\u00dfe Angst davor. Und geben unserer Angst ein Gesicht, mit H\u00f6rnern, Hufen und einem ekligen Schweif. Aber das ist nicht etwas, das wirklich existieren w\u00fcrde. Denn in Wahrheit gibt es nur Gott. Und Satan, das ist nichts weiter als unsere Furcht, uns unseres gro\u00dfen Geschenkes solcher Freiheit nicht w\u00fcrdig erweisen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cGott schuf den Menschen in Seinem Bilde\u201d hei\u00dft keinesfalls, dass Gott das Ebenbild des Menschen w\u00e4re. Vielmehr hat Er ein Bild von uns, und nach diesem schuf Er uns. Denn auch Eichh\u00f6rnchen, Vulkane, Sterne, Nebulae, und alles andere sind Bilder Seines Geistes. Genau wie wir Menschen. 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