{"id":619,"date":"2022-06-30T10:08:25","date_gmt":"2022-06-30T08:08:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mikambo.de\/?p=619"},"modified":"2022-07-29T16:02:46","modified_gmt":"2022-07-29T14:02:46","slug":"freiheit-ist-das-kind-der-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikambo.de\/index.php\/2022\/06\/30\/freiheit-ist-das-kind-der-liebe\/","title":{"rendered":"Freiheit ist das Kind der Liebe"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"366\" src=\"https:\/\/www.mikambo.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/lightning-845848_640-cut.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-620\" srcset=\"https:\/\/www.mikambo.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/lightning-845848_640-cut.jpg 640w, https:\/\/www.mikambo.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/lightning-845848_640-cut-300x172.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabia war 7 Jahre alt, als ihr Vater, ein Bauer aus Apulien, wegen einer D\u00fcrre Haus und Hof verlor und f\u00fcr seine Schulden zum Tode verurteilt wurde. Aber Fabia war ein sehr h\u00fcbsches Kind, und so erkl\u00e4rte der Creditor sich bereit, das Leben des Vaters zu verschonen, wenn dieser ihm seine Tochter in die Sklaverei \u00fcberlassen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Creditor machte ein gutes Gesch\u00e4ft damit, denn auf dem Markt in Neapolis brachte ihm Fabia mehr ein, als der Vater ihm schuldig gewesen w\u00e4re. Ein R\u00fcstungsfabrikant aus Rom erwarb sie f\u00fcr seinen Haushalt. Normalerweise waren Kinder billig, sie galten als wertlos, weil sie nicht viel arbeiten konnten. Doch um Fabia war ein Bieterwettstreit entbrannt, und der R\u00f6mer hatte alle \u00fcberboten. Sie gefiel ihm, und er hatte keine Tochter, so hatte er es dem Creditor erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfangs bekam Fabia den Fabrikanten nur selten zu sehen. Sie arbeitete der K\u00f6chin zu und erledigte f\u00fcr sie meist Putzarbeiten. Hin und wieder sah die Herrin vorbei, und das war jedesmal die H\u00f6lle. Wenn es Fabia nicht gelang, sich schnell genug zu verstecken, wurde sie immer ausgeschimpft und bekam Schl\u00e4ge. Fabia konnte es nicht verstehen. Diese Frau war wohlhabend und besa\u00df alles, was einer nur haben konnte, aber sie war st\u00e4ndig und mit allem unzufrieden. Fabia fiel auf, dass auch der Fabrikant seiner Frau aus dem Weg ging, so gut er es vermochte. Seltsam, dachte Fabia. Sie lieben sich gar nicht, warum sind sie verheiratet?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie es damals \u00fcblich war, diese Ehe war nur geschlossen worden um der Gesch\u00e4fte willen. Der Familie des Fabrikanten hatte einen Eisenerzbergbau eingebracht, und die adelige Familie seiner Frau Kontakte zum Senat. Und damit war der R\u00fcstungsbetrieb zu einem gro\u00dfen und florierenden Unternehmen herangewachsen. Doch wie man sagt, Geld allein macht nicht gl\u00fccklich, und weil die Hausherrin den sch\u00f6nen K\u00fcnsten zugeneigt war, der Fabrikant aber den Wagenrennen, und sie sich auch sonst nicht viel zu sagen hatten, lebten sie sich immer weiter auseinander. Vollends unertr\u00e4glich war es geworden, als die Herrin Freundschaft mit einer Vestalin schlo\u00df, und deren Kult der Jungfr\u00e4ulichkeit zur willkommenen spirituellen Rechtfertigung nahm, sich ihrem Gatten g\u00e4nzlich zu versagen. Eine Wolke von Streit und Ungl\u00fcck erf\u00fcllte das elegante Haus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Fabia 12 wurde, begann es. Der Fabrikant sah sie mit anderen Augen an, und eines Nachts \u00fcberfiel er sie in ihrer Kammer. Und als Fabia weinend der K\u00f6chin davon erz\u00e4hlte, zuckte diese nur mit den Schultern. \u201eWir sind nichts als Vieh f\u00fcr die. Und es ist sein Recht, finde dich damit ab.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ging es also weiter, bald jede Nacht bekam Fabia nun Besuch. Und als ihr 15. Jahr kam, fiel mit einem Mal die Last der Blutung von ihr ab. Zuerst dachte sie sich nichts dabei, doch als schon zwei Monate vergangen waren, vertraute sie sich einer Freundin an. Diese aber hatte es eilig, die Nachricht der Herrin zu bringen. Was das f\u00fcr ein Krach war! Das Gesinde zog die K\u00f6pfe ein, so ein Geschrei zwischen dem Fabrikanten und seiner Frau hatten sie noch nie geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der j\u00fcngste Sohn des Fabrikanten hie\u00df Quiryn. Er war 17 Jahre alt und ein sch\u00fcchterner Junge, der sich meist in seinen B\u00fcchern vergrub. Seine Geburt war sehr schwer gewesen, und deshalb war er verkr\u00fcppelt und hinkte stark. Seit langem schon brannte sein Herz f\u00fcr Fabias Anmut und ihr freundliches Wesen, aber nie hatte er sich getraut, sie anzusprechen. Sie w\u00fcrde ihn nur auslachen, oder, schlimmer noch, ihn ihr Mitleid sp\u00fcren lassen, hatte er sich gedacht. Und so war es ihm noch nie gelungen, sie auch nur anzul\u00e4cheln. Doch als er Fabia weinend im Stall sitzen sah, nahm er all seinen Mut zusammen, und fragte sie, warum sie so traurig sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIn mir w\u00e4chst ein Kind, es ist von deinem Vater. Er will, dass ich es wegmache. Die Kr\u00e4uterfrau hat mir diesen Trank gebraut, aber ich will ihn nicht nehmen. Als mein Vater mich fortgab, war es das schlimmste, was mir je geschehen ist, aber nun will der Herr, dass ich mein Kind sogar t\u00f6ten soll bevor es die Sonne jemals sehen konnte!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabia konnte nicht weitersprechen. Sie schluchzte ohne Unterlass und Quiryn hockte sich neben sie. Er legte seinen Arm um sie und fl\u00fcsterte: \u201eWir werden einen Weg finden, ganz bestimmt, Jupiter wird uns helfen.\u201c Und tats\u00e4chlich, es dauerte eine ganze Weile, aber es gelang ihm, Fabia zu tr\u00f6sten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie flohen in der Nacht. Der Fabrikant war auf einer langen Sitzung im Senat, und die Herrin bei einem Fest zu Ehren von Vesta. Der W\u00e4chter am Stadttor lie\u00df sie passieren, denn er erkannte Quiryn und traute sich nicht, den Sohn eines so hochgestellten Herren aufzuhalten. Aber als am n\u00e4chsten Morgen das Verschwinden der beiden entdeckt wurde, dauerte es nicht lange, bis man wusste, was geschehen war. Man sendete Soldaten, um den Sohn zur\u00fcckzubringen und Fabia ihrer Strafe des Todes zu unterwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Bauer hatte sich von einer der von Quiryn gestohlenen Goldm\u00fcnzen \u00fcberzeugen lassen und sie auf seinem Karren mitgenommen. Ihr Ziel war Aternum, dort wollten sie sich einschiffen in Richtung der griechischen K\u00fcste. Aber die nach Aternum f\u00fchrende Via Claudia Valeria war eine der wichtigsten Stra\u00dfen des r\u00f6mischen Reiches, und etwa 10 Milliaria vor der K\u00fcste fielen sie einer Patrouille auf. Der Bauer floh, und Fabia und Quiryn sahen sich 10 schwerbewaffneten Soldaten gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSchnell, bitte lass mich zu Ihm!\u201c Der kleine Engel war verzweifelt. Wie konnte Der Vater ihm eine so unm\u00f6gliche Aufgabe antragen? Er musste Ihn sehen, sofort. Der Erzengel sah die Not in den Augen des kleinen Engels. \u201eWehe du st\u00f6rst Ihn mit Nichtigkeiten! Er baut gerade an einer neuen Galaxie.\u201c Aber er \u00f6ffnete das Tor und lie\u00df den Himmelsnovizen eintreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Licht! Warm und g\u00fclden, und als w\u00fcrde es von \u00fcberall her kommen, sogar aus dem kleinen Engel selbst. Er warf sich vor Seinen Thron und erz\u00e4hlte unter Tr\u00e4nen. \u201eDu musst helfen\u201c, schluchzte der kleine Engel. \u201eIch wei\u00df nicht mehr, was ich tun soll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein grollender Donner erf\u00fcllte den Himmel. Dann schlug ein Blitz ein, geradewegs in den Baum, an welchem die Soldaten die Pferde ihres Streitwagens angebunden hatten. Der Baum begann zu brennen, die Pferde schrien und rissen sich los. Fluchend rannten die Soldaten ihnen hinterher. Quiryn nahm Fabia an die Hand und versteckte sich mit ihr in einem nahegelegenen W\u00e4ldchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kapit\u00e4n hatte keine Fragen gestellt. Der kleine Haufen Goldm\u00fcnzen, den Quiryn vor ihm ausgesch\u00fcttet hatte, war mehr, als er in einem halben Jahr Arbeit verdienen konnte. Aber auch in Illyrien konnten die beiden nicht bleiben, es waren zu viele r\u00f6mische Garnisonen dort. Sie gingen immer weiter fort, bis sie endlich in Thrakien bei einem Stamm freundlicher Nomaden Aufnahme fanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den letzten M\u00fcnzen, die Quiryn verblieben waren, erwarb er ein Pferd, und so fiel er niemandem zur Last. Und obwohl er wegen seiner Behinderung bei dem schweren Tagwerk der Nomaden nur wenig helfen konnte, wurde er wegen seines vielen Wissens bald sehr gesch\u00e4tzt und genoss gro\u00dfen Respekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie hatten ihr Lager am Fluss Strymon aufgeschlagen, als Fabias Zeit gekommen war. Die alten Weiber des Stammes wussten, was zu tun war, und so dauerte es nur 4 Stunden, bis ein emp\u00f6rtes Kr\u00e4hen aus der Jurte kam. Quiryn nahm Fabia in den Arm und betrachtete das Kind. Es war ein Knabe, ganz rot und zerdr\u00fcckt noch, aber er schien kr\u00e4ftig und gesund. \u201eDu bist mein Bruder, aber ich will dich lieben wie meinen Sohn\u201c, fl\u00fcsterte Quiryn. \u201eWie soll er hei\u00dfen?\u201c fragte er Fabia. Sie richtete sich auf, und ein rares Leuchten war in ihren Augen. \u201eStark soll er sein, und stolz. Und ich will, dass er frei ist, und immer um seine Freiheit k\u00e4mpfen wird. Und deshalb nenne ich ihn: Spartakus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Ich fall in deine Arme (Live aus dem Docks)\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ExNQKB4fP3Q?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anmerkung: Spartakus, der F\u00fchrer eines Sklaven-Aufstandes im r\u00f6mischen Reich von 73 bis 71 v. Chr., wurde in einem Stamm thrakischer Nomaden etwa 111 v.Chr. am Fluss Strymon geboren und fiel im Kampf um seine Freiheit 71 v.Chr. \u00dcber seine Mutter ist nichts bekannt; diese Erz\u00e4hlung von ihr ist also meine freie Erfindung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fabia war 7 Jahre alt, als ihr Vater, ein Bauer aus Apulien, wegen einer D\u00fcrre Haus und Hof verlor und f\u00fcr seine Schulden zum Tode verurteilt wurde. 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