{"id":615,"date":"2022-06-26T06:31:27","date_gmt":"2022-06-26T04:31:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mikambo.de\/?p=615"},"modified":"2022-06-28T06:58:33","modified_gmt":"2022-06-28T04:58:33","slug":"heimat-der-engel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mikambo.de\/index.php\/2022\/06\/26\/heimat-der-engel\/","title":{"rendered":"Heimat der Engel"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"426\" src=\"https:\/\/www.mikambo.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/lynx-3374314_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-616\" srcset=\"https:\/\/www.mikambo.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/lynx-3374314_640.jpg 640w, https:\/\/www.mikambo.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/lynx-3374314_640-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eMama, warum habt ihr mich Theodor genannt?\u201c Gestern hatte ihm sein Freund vom Nachbarhof erz\u00e4hlt, dass er Philipp hie\u00df, weil sein Vater Pferde liebte, und wollte, dass auch sein Sohn wie er ein Freund der Pferde w\u00fcrde. Und deshalb wollte der Knabe nun wissen, woher denn sein Name kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter sah ihn an, und ihre Augen wurden feucht. \u201eBevor du kamst, verlor ich ein Kind. Ich w\u00e4re fast gestorben daran, das Kind hatte schon 7 Monate in meinem Bauch gewohnt. Und ich dachte, der Herrgott w\u00fcrde mir keines mehr schenken wollen, weil danach so viele Jahre vergingen. Aber dann bist doch noch du gekommen, und weil das eine gro\u00dfe Gnade des Herrn gewesen ist, nannte ich dich Theodor. Denn das ist es, was dein Name bedeutet: Geschenk Gottes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist Gott? Wieso kann es mich dir schenken?\u201c Theodor war verbl\u00fcfft. Manchmal gab es einen Apfel und N\u00fcsse zum Geburtstag, das war ein Geschenk. Aber das kam von Mama und Papa. Wer sollte es sein, der Leben verschenkt? \u201eDie Priester sagen es\u201c, meinte die Mutter. \u201eIch bin nur eine einfache Frau, ich wei\u00df nichts von diesen Dingen. Aber es steht geschrieben in den heiligen B\u00fcchern, dass das Leben von Gott kommt, also ist Gott Das, Was Leben gibt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Im Jahr darauf ging Theodor mit seinem Vater in den Wald, Reisig sammeln. Sie hielten Rast unter einer Buche und packten die Brotzeit aus. Der Vater fl\u00fcsterte in Theodors Ohr. \u201eSiehst du, dort oben? Das ist ein Spatzennest. Halte dich ganz still, dann wirst du sehen, wie die Eltern ihre Kleinen f\u00fcttern.\u201c Und wirklich, bald schon kam ein Vogel angeflogen, um kurz am Nest zu verweilen. Kaum war dieser Vogel fort, kam noch einer. Es waren immer die gleichen beiden V\u00f6gel, und unerm\u00fcdlich flogen sie hin und her. Theodor konnte das Tschilpen der K\u00fcken h\u00f6ren, wie sie die ganze Zeit um Futter bettelten. \u201eWarum ist das Nest so weit oben?\u201c fragte er den Vater, denn er hatte beobachtet, dass die V\u00f6gel oftmals am Boden nach W\u00fcrmern suchten. \u201eW\u00e4re es nicht einfacher, wenn das Nest unten w\u00e4re, dann m\u00fcssten die Eltern doch weniger arbeiten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater l\u00e4chelte. Er sah in dieser Frage einen klugen und wachen Geist in seinem Sohn aufblitzen. \u201eNun, wenn das Nest nicht schwer zu erreichen ist, dann holt der Luchs die Kinder. Und deshalb arbeiten die Eltern lieber hart, damit ihren Kindern nichts geschieht.\u201c Und in diesem Moment begriff Theodor die Gr\u00f6\u00dfe Gottes, denn wenn sogar die V\u00f6gel um Ihn wussten, und f\u00fcr Sein Geschenk so viel M\u00fche auf sich nahmen, dann musste Dieser der Herr des Alls sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Soldaten polterten durch das Haus. Der Herzog wollte die Steuern. Theodors Mutter weinte, und der Vater flehte. \u201eBitte sehen Sie doch meine Kinder, wie soll ich sie ern\u00e4hren? Haben Sie Mitleid.\u201c Aber die Soldaten k\u00fcmmerte das nicht. Sie nahmen die Vorr\u00e4te f\u00fcr den Winter und die paar M\u00fcnzen, die die Eltern gespart hatten. Theodor verstand, zu diesem Geburtstag w\u00fcrde es kein Geschenk geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Theodor war nun 11 Jahre alt. Der Hunger regierte den Hof, und seine Eltern waren verzweifelt. Sie setzten sich mit Theodor an den K\u00fcchentisch. \u201eDer Gro\u00dfe wird den Hof weiterf\u00fchren, und deine beiden Schwestern sind schon versprochen. Du bist der J\u00fcngste, und wie es Brauch ist, m\u00f6chten wir dich der Kirche geben. Wie gef\u00e4llt dir das?\u201c Theodor wollte nicht, denn er sah den Kummer im Gesicht seiner Mutter. Aber sie betete um das Beste f\u00fcr ihr Kind, und wenn der Orden ihn aufnehmen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde er bestimmt immer genug zu essen haben. Also musste sie tapfer sein, damit Theodor es gut haben w\u00fcrde. \u201eDu wirst dort lernen, wer Gott ist. Und das hast du dir doch immer schon gew\u00fcnscht, nicht? So oft hast du mich nach Ihm gefragt, aber ich kann es dir nicht sagen. Doch die M\u00f6nche im Kloster widmen ihr ganzes Leben dieser Suche, dort wirst du Seine Wahrheit finden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin Bauerskind\u201c, sagte der Abt. \u201eJa, wir k\u00f6nnten Hilfe brauchen im Klostergarten. Ist er denn geschickt?\u201c Der Vater beeilte sich, Theodors Talente f\u00fcr Acker und Saat zu r\u00fchmen. \u201eEr geht immer mit mir aufs Feld, und er ist sehr flei\u00dfig. Er wird Euch nicht entt\u00e4uschen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jeden Morgen um vier ging es in die Kapelle, zwei Stunden Singen und Gebet. Dann ein harter Tag, Holz hacken, s\u00e4en, Unkraut j\u00e4ten, und die viele Arbeit in der K\u00fcche, um die Ernte einzuwecken f\u00fcr den Winter. Abends wieder auf die Knie und Gott preisen. Aber dann kam die eine Stunde, die Theodor f\u00fcr alles entsch\u00e4digte. Der Abt las aus der Bibel, und erkl\u00e4rte, welch gro\u00dfe Wahrheiten darin verborgen waren. Die Bibel war in einer fremden Sprache geschrieben, und nur ein Priester, der Latein gelernt hatte, konnte den Menschen das Wissen daraus beibringen. Theodor lauschte immer voll Begeisterung, es w\u00fcrde wahr werden, was seine Mutter ihm versprochen hatte \u2013 die Priester w\u00fcrden ihm helfen, er w\u00fcrde Gott finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Theodor stellte immer viele Fragen, und so kam es, dass der Abt die hohe Intelligenz des Jungen erkannte. Er schrieb Theodor f\u00fcr die Schule ein. Und manchmal dachte Theodor zwar, ob er nicht doch die Arbeit auf dem Feld dem strengen Lehrer vorziehen w\u00fcrde. Aber sein Wissensdurst war immer st\u00e4rker als die Kopfschmerzen, die ihm die staubigen B\u00fccher machten.<\/p>\n\n\n\n<p>Theodor war nun ein junger Mann, und arbeitete in der Bibliothek des Klosters als Schreiber. Tag um Tag kopierte er die alten Schriften, damit nichts verlorenging. Eines Tages rief ihn der Abt in die Sakristei. \u201eDu arbeitest sehr gut. Du bist t\u00fcchtig und man kann sich auf dich verlassen. Ich will dich mit einer besonderen Aufgabe betrauen.\u201c Und von da an hatte Theodor den Schl\u00fcssel zu dem Raum mit den geheimen B\u00fcchern, die keiner sehen durfte au\u00dfer ihm und dem Abt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Zeit darauf kam ein Reisender ins Kloster, und er hatte viel zu erz\u00e4hlen. Er war im Vatikan gewesen, und in Rom gab es gro\u00dfen Aufruhr. \u201eDieser Kerl ist ein M\u00f6nch der Dominikaner, und er vertritt eine schreckliche H\u00e4resie. Die Erde w\u00e4re rund, und nur ein Planet unter vielen. Das All sei unendlich gro\u00df, und es g\u00e4be viele Welten wie die unsere darin. Wir w\u00e4ren gar nicht der Mittelpunkt des Kosmos! Manche glauben ihm, aber das, was dieser Giordano Bruno \u00fcber den Herrgott behauptet, ist die b\u00f6seste L\u00e4sterung, von der ich je geh\u00f6rt habe. In der Bibel steht es doch, die Welt hat vier Enden!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Theodors Neugier war geweckt, und er suchte in den geheimen B\u00fcchern. Und war \u00e4u\u00dferst erstaunt. Das, was Bruno sagte, das war alles schon seit dem Altertum bekannt, schon Plato, und vor ihm Parmenides, hatten es genauso beschrieben. Und auch von vielen Kirchenv\u00e4tern fanden sich unz\u00e4hlige Zeugnisse davon, dass die Welt eine Kugel ist, und nur ein Planet unter vielen in unbeschreiblich weitem Raum. Sogar der gro\u00dfe heilige Augustinus hatte es gewusst! Deshalb also waren all diese Schriften weggesperrt, niemand sollte erfahren, dass das, was die jetzigen Herrscher der Kirche erz\u00e4hlten, schlechthin gelogen war. Theodors Weltbild und Kirchenvertrauen erhielten einen heftigen Schlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als, im n\u00e4chsten Jahr, die Nachricht kam, dass man Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen verbrannt hatte, ihn sogar geknebelt dorthin gef\u00fchrt hatte, damit ja niemand die Wahrheit aus seinem Mund mehr h\u00f6ren konnte, da zerbrach Theodors Glauben. Nachts schlich er sich aus dem Kloster und ging weit fort. Er verfluchte Gott, wie hatte Der es zulassen k\u00f6nnen, dass jemand, der nichts als die reine Wahrheit sprach, ein so grausames Schicksal erleiden musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Gott zu hassen, das fiel Theodor doch zu schwer. Also begann er zu glauben, dass da gar kein Gott w\u00e4re, und fand damit seinen Seelenfrieden wieder. Es war das Schlechte an den Menschen, das er gesehen hatte, und Gott konnte daran nichts \u00e4ndern, weil es Ihn gar nicht gab. Theodor verdingte sich am Hof eines F\u00fcrsten, das war leicht gewesen, Lesen und Schreiben und sogar Latein konnten damals nur sehr wenige. Es war Theodor sogar vorgekommen, als h\u00e4tte es dem F\u00fcrsten gefallen, dass Theodor sich von der Kirche abgewandt hatte. \u201eGott hat die Welt erschaffen, aber das muss wohl sehr anstrengend gewesen sein, denn seither scheint Er zu schlafen\u201c, hatte der F\u00fcrst gemeint, als die Rede auf Theodors Jugend im Kloster gekommen war. \u201eBei uns kannst du mehr f\u00fcr Gottes Ordnung tun als im Kloster.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dann kam der Tag, an dem Theodor begriff, dass jenes, was der F\u00fcrst als Gottes Ordnung benannte, nur das eigene Wohl des F\u00fcrsten selbst war. Der Bauer, der gegen die Steuern aufbegehrt hatte, und zur Strafe ausgepeitscht und aufs Rad gespannt vor den Toren der Stadt aufgehangen wurde, zur Abschreckung f\u00fcr die anderen Bauern, erinnerte Theodor an das Flehen seines Vaters vor vielen Jahren, und an die Tr\u00e4nen seiner Mutter. \u201eEr bek\u00fcmmere sich nicht um unsere Angelegenheiten. Gehe er zur\u00fcck an seine Arbeit und bel\u00e4stige uns nicht mit diesem Gewinsel\u201c, hatte der F\u00fcrst gesagt, als Theodor um das Leben des Mannes gebeten hatte, und, \u201ewenn er nicht auch dort h\u00e4ngen will, lasse er uns nie mehr solche Worte des Verrates h\u00f6ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Theodors Entt\u00e4uschung von der Welt war nun grenzenlos. Er beschloss, allem zu entsagen und als Einsiedler im Wald zu leben. Wieder floh er mitten in der Nacht, und lief so weit fort, wie er nur konnte. In einem Wald fand er eine verfallene H\u00fctte und baute sie neu auf. Das erste Jahr war hart, der Winter schien endlos, aber das Wissen aus der vielen Arbeit im Klostergarten machte sich bezahlt. Und als die Fr\u00fchlingssonne die V\u00f6gel wieder singen lie\u00df, war zum ersten Mal seit vielen Jahren ein gro\u00dfer Frieden in Theodors Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>Theodor grub das Beet f\u00fcr die Kartoffeln um, und mit einem Mal war ihm, als w\u00fcrde ihn jemand beobachten. Er wandte sich um, und richtig, dort hinten sa\u00df ein Luchs und sah ihn an. \u201eNa, du bist aber zutraulich\u201c, meinte Theodor. \u201eHast du keine Angst vor mir?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum sollte ich mich f\u00fcrchten vor einem, der so ein guter Freund Gottes ist\u201c, sagte der Luchs. Eigentlich sagte er es nicht, sondern die Worte waren in Theodors Kopf. Seltsam, dachte Theodor. Wieso kann ich ihn verstehen? \u201eGott gibt es nicht, also bin ich auch nicht sein Freund\u201c, antwortete Theodor. Der Luchs lachte. \u201eMeine Frau ist im Bau und passt auf unsere Kinder auf. Noch nie war sie so gl\u00fccklich, erz\u00e4hl ihr das mal, sie wird dich f\u00fcr v\u00f6llig verr\u00fcckt finden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jahre der Abstinenz im Kloster, der ewige Kampf gegen den Ruf des Fleisches hatten in Theodor schlimme Spuren hinterlassen, und obwohl er Gott verloren hatte, dieser eine Kummer war ihm geblieben. \u201eKinder!\u201c rief er. \u201eNichts als der b\u00f6se Fluch des Lasters. Was redest du da, es ist nur die Erbs\u00fcnde, der du und deine Frau verfallen seid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Luchs sah Theodor verwundert an. \u201eWo w\u00e4rest du denn, ohne dieses Geschenk Gottes? Schau, das M\u00e4rchen von der Erbs\u00fcnde, das ist eine List eurer Feinde. Sie waren schwach gegen euch, und von unendlichem Hass erf\u00fcllt. So redeten sie euch ein, der Akt der Zeugung sei s\u00fcndig. Damit ihr euch selbst vernichtet. Es ist eine sehr kluge List, verstehst du? Man bringt den Feind dazu, sich selbst auszurotten. Schlimmer noch, nur die Starken sind dazu \u00fcberhaupt f\u00e4hig \u2013 die Schwachen k\u00f6nnen dem Dr\u00e4ngen der Natur nicht widerstehen. Und so wird euer Volk durch diese L\u00fcge mit jeder Generation d\u00fcmmer und schlaffer. Bis man euch, trotz der eigenen Schw\u00e4che, ernten kann wie eine reife Frucht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd bevor du \u00fcber Gott nachdenkst, solltest du zuerst damit aufh\u00f6ren, zu glauben, Er sei wie du. Er ist Der ohne Vater und Mutter, und ist doch Vater und Mutter f\u00fcr jedes Wesen im weiten Himmelsrund. Sogar f\u00fcr noch jeden Stein, aber wer h\u00e4tte je geh\u00f6rt, dass ein Stein Vater oder Mutter hat? Gott ist ein Gesetz, das solcherart beschaffen ist, dass Es das Sein hervorbringt. Wie kannst du also meinen, die Liebe, der unmittelbare Spiegel der Sch\u00f6pfungskraft dieses Gesetzes, sei eine S\u00fcnde? Nein, nein. S\u00fcnde ist das, was diesem Gesetz nicht folgt, und die Freunde Gottes sind die, die Ihn erblicken in jedem Wesen. So wie du.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In Theodor war eine gro\u00dfe Stille geworden. Trotzdem, das B\u00f6se, das er erlebt hatte, lie\u00df ihn nicht los. \u201eAber diese Welt ist so dunkel, wo ist Gott? Warum sieht Er weg?\u201c Der Luchs dachte lange nach. \u201eEs gibt nur das Licht. Das Dunkel ist nicht wirklich, denn es ist nur die Abwesenheit von Licht. Wohin aber einer geht, ob ins Licht, oder ins Dunkel, das eben ist die Freiheit die der Sch\u00f6pfer uns gibt. Diese Freiheit ist Seine gr\u00f6\u00dfte Macht, und Er l\u00e4sst sie mit diesem Geschenk in uns erstrahlen. Was wir aber damit anfangen, ist alleine uns \u00fcberlassen. Wenn wir uns ins Dunkel wenden, von Ihm ab, wird er dennoch Seinen Schwur niemals brechen. Und wer wei\u00df, ob gerade dies nicht Sein einziger Wunsch ist: das Dunkel zu erleuchten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch muss gehen\u201c, sagte der Luchs. \u201eMeine Frau wartet schon auf das Abendessen. Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder. M\u00f6ge Gottes Segen mit dir sein.\u201c Theodor sah dem Luchs lange nach, auch als dieser l\u00e4ngst wieder im Wald verschwunden war. Und obwohl Theodor alles verloren hatte, was er jemals gelernt und geglaubt hatte, erf\u00fcllte ein tiefes Gl\u00fcck seine Seele. Und blieb mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein langer und warmer Sommer wich dem ersten Frost des Herbstes.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sammelte Pilze, und Theodor fasste sich ein Herz und sprach sie an. Sie hatte keine Freunde, sie mochte den L\u00e4rm und die billigen Vergn\u00fcgen der Welt nicht. Deshalb war sie am liebsten allein im Wald. Theodor lud sie in seine H\u00fctte ein, und bot ihr Kr\u00e4utertee an. Von da an kam sie oft, und es dauerte nicht lang, da begriff Theodor, dass er sich das erste Mal in seinem Leben verliebt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alte kam aus der H\u00fctte, und sagte, es sei \u00fcberstanden. Ob er sein Kind nun sehen wolle? Theodor trat ein, und da war es. \u201eEs ist ein M\u00e4dchen\u201c, sagte seine liebe Frau. Sie war nassgeschwitzt, und das Bett war voller Blut. \u201eWie sollen wir es nennen?\u201c Theodor sah gl\u00fccklich auf das W\u00fcrmchen, und mit einem Mal \u00f6ffnete es die Augen und blickte ihn an. Und als Theodor in dieses Licht schaute, da endlich erkannte er den Besten Aller Freunde, und dass Dieser schon immer Der Beste Freund gewesen war. \u201eSophia\u201c, sagte Theodor. \u201eDie Wissende, so soll sie hei\u00dfen. Weil sie mir Gott gezeigt hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Luchs hatte seit Stunden im Wald vor der H\u00fctte gewartet. Nun, da seine Aufgabe erf\u00fcllt war, breitete er die Fl\u00fcgel aus und stieg in den Himmel auf, weit hinauf, bis er wieder ein Stern geworden war unter all den anderen Sternen, die die Heimat der Engel sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Gorillaz - Cloud of Unknowing (with lyrics) [HD]\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/AJ4cLX-Ehl8?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMama, warum habt ihr mich Theodor genannt?\u201c Gestern hatte ihm sein Freund vom Nachbarhof erz\u00e4hlt, dass er Philipp hie\u00df, weil sein Vater Pferde liebte, und wollte, dass auch sein Sohn wie er ein Freund der Pferde w\u00fcrde. 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